
Woodcraft
In dieser Rezension erfährst du, ob sich das Expertenspiel Woodcraft für dich lohnt. Wir schauen uns an, wie schwer das Spiel ist und zeigen dir Vorteile und Nachteile des Spiels auf. Am Ende kannst du sogar noch von unseren Tipps profitieren. Viel Spaß dabei.
Altersempfehlung: Ab 12 Jahren
Spieldauer: 60 - 120 Minuten
Personenanzahl: 1–4 Spieler
Illustratorin / Illustrator: Denis Martynets
Autorin / Autor: Vladimír Suchý, Ross Arnold
Verlag: Delicious Games

Aus gutem Brettspielholz geschnitzt
Woodcraft im Test
Grünhaarige, elfengleiche Männchen auf dem Cover, die das Symbol des Brettspielglücks – den Würfel – schnitzen. Platziert in einem Sagaland anmutendem Märchenwald. Oh ja, Woodcraft müsste auf den ersten visuellen Eindruck was für mich und meine vier und sechs Jahre alten Kinder sein. Oder? Moment, steht da oben Vladimir Suchy?
Dadurch rutscht das niedliche Spiel direkt nach oben ins Expertenlevel.
Uh la la
Holzhandwerk ist knallhart
Woodcraft torpediert schnell den ersten Eindruck des Covers. Sobald ich die Schachtel lüfte, fällt mir quasi ein Geldspeicher an Materialien vor die Füße. Sägeblätter, Laternen, Holzwürfel, echte Würfel (in drei Farben), Playerboards, Wertungstafel, noch eine Wertungstafel und unzählige Werkzeuge. Heiliger Handwerksgeselle – was soll ich denn damit alles machen?
Genau das macht Woodcraft zu einem Expertenspiel – am Ende versuchen wir durchaus nachvollziehbare Aufträge zu erfüllen und verschiedene Wertungen auszulösen – die Wege dorthin sind mit Möglichkeiten und Materialen gepflastert, dass es für den Expertenspieler eine helle Handwerksfreude ist, denn wir können uns den für uns besten Weg im Laufe des Spiels sehr schön selbst schnitzen.

Spielablauf bei Woodcraft
Zu erklären, wie das Ganze funktioniert, ist bereits für die Anleitung eine herausforderung. Gerade der Mechanismus mit dem thematisch passenden Aktions-Sägeblatt, ist aus dem Stand unzureichend beschrieben.
Ich wage einen (besseren) Versuch:
Insgesamt gibt es sieben Hauptaktionen, die die Möglichkeiten bei Woodcraft recht gut abdecken. Vom verkaufen und kaufen der essentiellen Würfel – die in dem Spiel Holz in verschiedenen Qualitäten darstellen – über das Pflanzen von Setzlingen, die wir später ernten bzw. fällen, bis zum Anstellen neuer, fähiger Holzhandwerkerchen ist alles dabei. Wir nehmen uns dann das Hauptaktionsplättchen und legen es einen Sektor weiter auf das nächste freie Feld. Ist dieses Plättchen das erste in dem neuen Sektor, schieben wir das innere Rad auch einen Sektor weiter. Das macht Aktionsplättchen in den früheren Sektoren augenblicklich stärker. Diesen Mechanismus zu verstehen, ist einer der Sieggaranten für Woodcraft, denn die verschiedenen Boni, können von enormer Wichtigkeit sein.
Die richtigen Helfer für eure Strategie
Wie bereits erwähnt, ermöglicht euch eine der Aktionen einen Helfer anzustellen. Hier beginnt die knifflige Überlegung, wie und ob ihr mit den Kollegen eine Engine aufbaut. Einige geben euch einen einmaligen Sofortbonus, andere einen dauerhaften oder einen immer-wenn-dann Effekt. Diese Effekte geschickt miteinander zu veknüpfen kann sehr wertvoll sein.


Was nicht passt, wird passend geschnitten und geleimt!
Wir können unseren Zug mit verschiedenen freien Aktionen anreichern. Und aus dem Können, wird im Laufe des Spiel ein Müssen. Denn um Aufträge zu erfüllen, benötigen wir oftmals Holzstücke, die wir gar nicht in unserem Vorrat haben. Dann sollten wir unsere vorhandenen oder freigeschalteten freien Aktionen dazu verwenden, um große Holzstücke zu zersägen (also aus einer fünf z. B. eine zwei und eine drei zu machen), oder um zwei bestehende Würfel zu einem größeren Stück zu leimen. Das Manipulieren von Würfel ist dabei kein neues Konzept. Wir kennen das bereits aus Spielen, wie die Burgen von Burgund – spannend ist dabei die Art und Weise, die sich thematisch wunderbar in das Holzthema einfügt.
Freie Aktionen freischalten ist zwar recht teuer (wie bezahlen bei Woodcraft mit frischen Blaubeeren), gibt uns aber oft noch einen weiteren dauerhaften Bonus. Ihr merkt schon: alles hängt mit allem zusammen – wie bei einem guten Expertenspiel halt.
Einige Boni erhöhen zudem noch unser einkommen von Siegpunkten und Blaubeeren oder die Anzahl unserer Ruhmespunkte. "Was ist das schon wieder?" fragt ihr euch? Ruhmespunkte erhalten wir üblicherweise für erfüllte Aufträge und liefern uns am Spielende einen Multiplikator für die dann zu erhaltenden Punkte durch erfüllte Aufträge.

Gut Holz!
Wir machen also eine ganze Menge und darum braucht es auch viel Platz auf dem Tisch. Wir haben ein Tableau für die Siegpunkte, an dem wir auch dei Helfer und die Aufträge finden. Die sind jeweils in zwei Stufen vorhanden und tauschen sich ab der Mitte des aus. Dann gibt es das Tableau für das Einkommen, Rundenleiste und die Ruhmespunkte. Dann das zentrale Sägeblatt mit dem Aktionsauswahlmechanismus und zu guter letzt unser persönliches Spielertableau. Auf dem lagern wir unser Holz ein, lassen wir unsere Helfer arbeiten, pflanzen wir unsere Setzlinge und lagern unser Werkzeug auf dem Dachboden. Letzters wird durch Woodcraft übrigens auch belohnt, sollten wir hier verschiedene Werkzeuge einlagern.
Die ganze Ikonografie ist übrigens sehr gut und sämtliches Spielmaterial kommt ohne Text aus. Ihr könnt daher auch getrost zu der englichen Variante von Delicious Games greifen und euch die Anleitung auf deutsch bei Bedarf von Pegasus herunterladen.

Pros für Woodcraft:
Das spricht dafür:
- thematisch eng verzahnte Mechanik
- viele Möglichkeiten und Strategien das Spiel zu spielen
- steile Lernkurve
- eine menge Karten für Langzeit-Spielspaß
Contras für Woodcraft:
Das spricht dagegen:
- Auswahlmechanismus am Anfang schwer zu kapieren
- sehr viele Tableaus und Spielmaterial erschweren die Übersicht
- niedliches Cover verleitet zum Fehlkauf für Familienspieler
Fazit für Woodcraft
Ich habe viel beschrieben und gefühlt fehlt noch die Hälfte. Ich kann nämlich nicht nur Würfel, sondern auch meine Hauptaktion manipulieren – dazu benötige ich kleine Laternen … ach Moment mal! Ich bin ja beim Fazit und nicht mehr bei dem Ablauf. Gut! Wie so viele Expertenspiele lebt Woodcraft auch davon, dass man es ein paar mal spielt und Lust hat die Möglichkeiten zu entdecken. Gehe ich voll auf Helfer oder versuche ich möglichst viel Werkzeug einzulagern? Pflanze ich vermehrt Setzlinge oder werde ich zum Profi für das Zusammenleimen von Restholz? Es spricht viel dafür sich irgendwann auf eine Sache zu fokussieren. Und das macht Woodcraft für mich zu einem guten Spiel. Kein emotionaler Überkracher aber wir hatten bisher immer eine knifflige, gute Zeit.
Tipp vom Kultisten Michael:
Wie bereits im Fazit angedeutet ist es aus meiner Sicht ratsam alles ein bisschen zu machen, sich aber im Laufe des Spiels auf einen Schwerpunkt festzulegen. Denn die wertvollen Boni gibt es immer am Ende. Es lohnt sich enorm statt vier, sechs Arbeiter zu craften oder die Werkzeuge bis unters Dach zu stapeln.
Dazu – ich hab sie gerade noch so reinbekommen – sind die Laternen ein wahrer Gemechanger. Diese erlaubven mir eine unbeliebte Aktion von hinten zu nehmen, die Boni einzukassieren und eine völlig andere Aktion meiner Wahl auszuführen. Sollte es also die Laternen irgendwo geben – krallt sie euch!


Die Kultistenwertung für Woodcraft
Woodcraft ist ein herrlich knackiges Expertenspiel und entführt uns in das Holzhandwerk von Waldelfen. Das Thema ist gut umgesetzt und die Schachtel ist randvoll mit schönem Material. Allerdings gibt es bessere Genrevertreter, die uns noch mehr fesseln.

1–4
SPIELER
527
BGG-Ranking
3.82/5
KOMPLEXITÄT
Diese Kultisten haben Woodcraft gespielt:
Fabbi

Noch ist der Holzwurm drin.
Michael

Ist bisher keinem auf den Leim gegangen.
Bernhard

Der Holzhandwerker für's Grobe!



