
Barcelona
In dieser Rezension zum Brettspiel Barcelona erfährst du, ob sich dieses Kennerspiel für dich lohnt. Wir schauen uns an, wie schwer das Spiel ist und zeigen dir Vorteile und Nachteile des Spiels auf. Am Ende kannst du sogar noch von unseren Tipps profitieren. Auf geht's!
Altersempfehlung: Ab 14 Jahren
Spieldauer: 60 - 90 Minuten
Personenanzahl: 1-4 Spieler
Illustratorin / Illustrator: Zuzanna Hałas
Autorin / Autor: Dani Garcia
Verlag: Board & Dice, Giant Roc

Brettspielreise in die Vergangenheit
Barcelona im Test
Barcelona ist etwas Besonderes. Das werden alle bestätigen, die bereits einmal die katalanische Metropole besucht haben. Ich war auch seinerzeit dort. Für einen Tag. Und ich konnte mich dem Zauber der Stadt nicht entziehen. Vor allem die Gebäude hatten etwas Magisches an sich. Darum musste ich mir das Spiel von Dani Garcia unbedingt anschauen. Allerdings geht es hier nicht so erholsam zu, wie beim Flanieren über die la Rambla. Barcelona verlangt von euch knallharte Planung. Dennoch schien über unserem Brettspieltisch die katalanische Sonne. Warum erfahrt ihr jetzt!
Themen-Deep-Dive
Ein wahrer Hintergrund
Mitte des 19. Jahrhunderts steht die Stadt Barcelona seit fast 150 Jahren unter der Kontrolle des Militärs, da sie immense Bedeutung als strategische Festung hatte. Die Stadt wurde durch Mauern begrenzt. Außerhalb dieser Mauer gab es ein Bauverbot. Daher war Barcelona so etwas, wie die stadtgewordene Sardinenbüchse. Fabriken und Gebäude standen dicht an dich. Die Quote von Krankheiten und die Masse an Unrat waren hoch. Die Lebenserwartungen nicht. Mit diesem Barcelona, das damals die an dichtesten besiedelte Stadt Europas war, haben wir Gott sei Dank nichts am Hut.
Wir steigen ein, als die Mauer fiel (wir Deutschen haben ja durchaus gute Erfahrungen mit Mauerfällen) und ein Mann namens Ildefons Cerdà auf den Plan trat und selbigen für die Erweiterung Barcelonas hatte.

Spielablauf bei Barcelona
Wir sind also die Erbauer des neuen Stadtabschnitts von Barcelona. Das klingt knifflig, ist es auch. Denn wir wollen Häuser und Straßen bauen, Straßenbahnen fahren lassen, Modernismen Projekte angehen, einen Bürgersteig pflastern und die Stadt mit öffentlichen Einrichtungen bereichern. Dabei achten wir immer darauf, der Vision Cerdàs so nahe, wie möglich zu kommen. Und wer von uns diese Fülle an Aufgaben eines ambitionierten Stadtarchitekten am besten realisiert, der gewinnt das Spiel.
Interessante Mechanik für spannende Entscheidungen
Am Anfang unseres Zuges (oder am Ende, je nachdem, wie wir es betrachten) ziehen wir zwei Bürger aus einem Stoffbeutel. Diese können der Oberschicht, der Mittelschicht oder der Arbeiterklasse angehören. Das ist entscheidend für die Art von Häuser, die wir am Ende bauen.
Diese beiden Bürgerplättchen platzieren wir auf eine der zahlreichen Kreuzungen und führen die Aktionen aus, die waagerecht, senkrecht und zum Teil auch diagonal angrenzen.
Das ist von zwei Münzen nehmen, über die Steigerung von Ansehen bis zu einem Kettenzug in dem wir ein öffentliches Gebäude bauen, unsere Straßenbahn bewegen, einen Fahrgast aussteigen lassen und die dort angrenzende Aktion ausführen, vieles sein. Deswegen gilt es genau abzuwägen, wo wir die besagten beiden Bürger platzieren. Zumal wir, wie erwähnt, auch das Ziel haben Häuser zu bauen. Das geht nämlich nur, wenn wir mindestens je einen Bürger von zwei zum Bauplatz angrenzenden Kreuzungen entfernen.


Wiederspielwert durch Modularität
Wie wir wo am besten mit wem platzieren ließe sich grundsätzlich schnell entschlüsseln, wäre da nicht die Vorkehrung von Autor Dani Garcia auf eine starke Modularität zu setzen. Welche Straßenabschnitte welche Aktionen auslösen, ändert sich von Spiel zu Spiel. Genauso, welche öffentlichen Gebäude verfügbar sind oder welche Modernisme Projekte ausliegen. Dazu kommt, dass wir auf Platzierungen unserer Mitspieler reagieren müssen. Wie schon erwähnt, ist es ratsam immer in der Nähe zu bleiben, damit wir die eingesetzten Bürger für den Hausbau verwenden können. Mehr als zwei „Leerrunden“ sollten wir uns nicht leisten.

Marktplan und Sagrada Wertung
Bei Barcelona gibt es quasi an jeder Straßenecke was zu holen. Alles auf dem Schirm zu behalten ist gar nicht so einfach. Entscheidendes Element ist der Markt. Hier finden wir die angesprochenen Modernismen Projekte, die wir in unser Spieler-Tableau holen wollen, um am Ende des Spiel eine saftige Endwertung auszulösen. Dabei können wir im Laufe des Spiels den Multiplikator erhöhen und so massig Siegpunkte erhalten. Außerdem gibt es auf dem Markt fünf wechselnde öffentliche Gebäudetypen, die uns Siegpunkte sowie Ansehen geben und uns eine vergünstigte Bonusaktion durchführen lassen. Zuletzt findet wir hier den zu pflasternden Marktplatz, wo wir für jede gelegte Gehplatte auf unserem Tableau Siegpunkte und Lagerplätze freischalten und noch die Belohnung erhalten, die wir mit der Gehwegplatte überdecken.

Pro und Contra für Barcelona
Was uns positiv auffällt:
- Geschichtliche Thematik
- Wunderbar eng verzahnt
- Verständlicher Ablauf und gut geschriebene Regeln
- Gesundes Maß an Interaktion
- Spielaufbau variabel für mehr Wiederspielwert
Was uns negativ auffällt:
- Kann nicht "aus dem Bauch heraus" gespielt werden
- Zug kann durch das Durch- und Zerdenken der Möglichkeiten länger dauern
Fazit für Barcelona
Tüftelig, Belohnend und moderat kompetitiv – Barcelona ist ein gehobenes Kennerspiel, das nicht nur durch den sonnigen Schauplatz gute Stimmung verbreitet. Wenn wir nach dem besten Netzwerk suchen, und die Gebäude auf das Feld legen, erinnert Barcelona durchaus an Brass Birmingham – gleichzeitig versuchen wir unser Tableau zu leeren, was Parallelen zu Terra Mystica erkennen lässt. Am Ende steht Barcelona allerdings doch für ein ganz eigenes Spielgefühl und daher kann ich es allen empfehlen, die sich in einem Kennerspielumfeld in die architektonische Erschaffung der baskischen Metropole eintauchen wollen.
Tipp vom Kultisten Michael:
Beachtet unbedingt die Modernisme Projekte. Oft sind sie es, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Hier richtig zuzugreifen und auf einem der Multiplikatorenfelder zu platzieren, ist wichtig – erschließt sich aber in der Erstpartie nicht unbedingt. Außerdem ist es mir passiert, dass ich eine Kreuzung gebaut habe, ohne sie auch nur einmal innerhalb der Partie zu frequentieren. Das ist natürlich denkbar schlecht und kann getrost als Fehlplanung angesehen werden.
Grundsätzlich gilt hier aber, dass ihr getrost entdecken dürft, könnt und müsst, um an Barcelona maximalen Spaß zu haben. Ich jedenfalls freue mich auf die nächste Runde.

1–4
SPIELER
574
BGG-Rang
3.36/5
KOMPLEXITÄT
Diese Kultisten haben Barcelona gespielt:
Fabbi

Sportlehrer mit Stadtplaner-Talent.
Michael

Eher so der Ballermann-Typ.
Bernhard

Ist öfter mal in der Bar Celona.



