
Anachrony
In dieser Rezension erfährst du, ob sich das tolle Expertenspiel Anachrony für dich lohnt. Wir schauen uns an, wie schwer das Spiel ist und zeigen dir Vorteile und Nachteile des Spiels auf. Am Ende kannst du sogar noch von unseren Tipps profitieren. Viel Spaß dabei.
Altersempfehlung: Ab 15 Jahren
Spieldauer: ca. 90–150 Minuten
Personenanzahl: 1–4 Spieler
Illustrator / Illustratoren: David Cochard, George Hull
Autor: David Turczi, Viktor Peter
Verlag: Mindclash Games

Spannung, Logik und volle Konzentration.
Anachrony im Test
Ach du liebe Güte! Man setzt sich an den Tisch, schaut auf das Material, die massiven Exosuits, die düstere Zukunftsoptik – und ahnt schon: Das hier wird kein lockeres „mal eben spielen“. Anachrony wirkt von Anfang an sehr speziell . Und genau das ist es auch.
Was zunächst wie ein klassisches Worker-Placement aussieht, entpuppt sich schon nach wenigen Zügen als etwas deutlich Raffinierteres. Zeitreisen, Ressourcenmanagement und der stetige Druck einer nahenden Katastrophe greifen ineinander – und plötzlich merkt man: Hier plant man nicht nur Züge. Hier plant man Zeitlinien. Vorwärts und Rückwärts - Wie bitte!? Wie genial dieses klare Expertenspiel ist werde ich euch jetzt mal zeigen!

Worum geht es bei Anachrony?
Die Erde steht vor dem Untergang. Ein gewaltiger Einschlag kündigt sich an, und verschiedene Fraktionen versuchen, sich darauf vorzubereiten – jede auf ihre eigene Weise. Ihr übernehmt die Kontrolle über eine dieser Fraktionen und baut eure Infrastruktur aus, entwickelt Technologien und versucht, eure Leute rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.
Das Besondere: Ihr könnt Ressourcen aus der Zukunft holen. Einfach so. Jetzt sofort verfügbar. Das scheint im ersten Moment eine feine Sache zu sein – bis man merkt, dass man diese Ressourcen irgendwann wieder zurückgeben muss. Und wenn nicht, rächt sich das Spiel. Es gilt also abzuwägen zwischen zukünftigen Möglichkeiten und den Notwendigkeiten der Gegenwart. Was sich jetzt etwas kompliziert anhört ist es in der ersten Runde auch, aber wenn man es einmal verstanden hat ist es ganz einfach und ein wirklich sehr außergewöhnlicher Aktionsmechanismus.


Spielaufbau - Mehr ist mehr!
Spielaufbau
Der Aufbau ist umfangreich, aber beeindruckend. Vor euch liegt die Hauptstadt mit ihren verschiedenen Aktionsfeldern. Jeder Spieler hat sein eigenes Tableau, auf dem Gebäude errichtet, Arbeiter verwaltet und Entwicklungen vorangetrieben werden.
Dazu kommen die ikonischen Exosuits, ohne die eure Arbeiter praktisch nutzlos sind, sowie verschiedene Ressourcen wie Wasser, Titan oder das seltene Neutronium.
Am Anfang wirkt das alles viel. Aber es ist kein Chaos – es ist Struktur. Und nach kurzer Zeit versteht man, wie sauber hier alles ineinandergreift. Das ist tatsächlich anspruchsvoll, aber Michi und ich haben das total gefeiert. Einfach ist was anderes, aber auch einfach klasse!
Spielmechanik.
Im Kern ist Anachrony ein Worker-Placement-Spiel – aber eines, das einen besonderen Stellewert bekommt, da seine Mechanik wirklich sehr besonders ist. Wir haben es direkt in den Kultstatus aufgenommen.
Der erste Aha-Moment kommt mit den Exosuits. Eure Arbeiter können nicht einfach eingesetzt werden. Sie müssen vorbereitet werden. Das kostet Ressourcen und zwingt euch dazu, vorauszuplanen. Wer hier nachlässig ist, steht plötzlich ohne Möglichkeiten da.
Dann kommt die Zeitreise ins Spiel. Und das ist mehr als nur ein Gimmick. Ihr könnt euch in einer frühen Runde Ressourcen „leihen“, die ihr eigentlich noch gar nicht habt. Das eröffnet starke Spielzüge – aber ihr baut euch gleichzeitig eine Verpflichtung auf. Irgendwann müsst ihr liefern. Wenn nicht, entstehen Anomalien, die euch nicht nur Punkte kosten, sondern auch eure Möglichkeiten einschränken.
Dazu kommt der Aufbau eurer eigenen Engine. Gebäude bringen euch Vorteile, verbessern Aktionen und sorgen dafür, dass ihr effizienter werdet. Und genau hier entfaltet sich das Spiel: Man beginnt, Zusammenhänge zu sehen, Züge vorauszuplanen und kleine, aber effektive Kombinationen zu bauen.
Und während man das alles tut, läuft im Hintergrund die Zeit. Der Einschlag rückt näher. Irgendwann kommt der Moment, an dem man entscheiden muss: Bleibe ich und optimiere weiter – oder bringe ich meine Leute in Sicherheit und evakuiere meine Arbeiter.


Endwertung.
Am Ende einer Partie wird nicht einfach nur alles grob zusammengerechnet – die Wertung ist ziemlich fein verzahnt und belohnt vor allem gute Planung über das gesamte Spiel hinweg.
Der größte Brocken sind meist Gebäude. Jedes gebaute Gebäude bringt Siegpunkte, teilweise abhängig davon, wie gut es in eure Strategie eingebunden ist. Wer früh und gezielt baut, sammelt hier ordentlich Punkte.
Dann kommen die Leisten und Fortschritte ins Spiel. Je nach Fraktion und Spielverlauf habt ihr euch auf verschiedenen Tracks nach vorne gearbeitet – etwa bei Moral, Wissenschaft oder ähnlichen Bereichen. Diese bringen am Ende zusätzliche Punkte, oft gestaffelt nach eurem Fortschritt.
Ein ganz wichtiger Faktor ist die Evakuierung. Sobald der Einschlag näher rückt, könnt ihr eure Arbeiter und teilweise auch Gebäude in Sicherheit bringen. Dafür gibt es am Ende Punkte. Wer diesen Schritt ignoriert oder zu spät angeht, verschenkt hier viel Potenzial.
Auch eure Ressourcen und Entwicklungen können eine Rolle spielen. Manche Gebäude oder Effekte geben euch am Spielende Bonuspunkte für bestimmte Dinge, die ihr gesammelt oder erreicht habt.
Und dann gibt es noch die Kehrseite der Zeitreisen: Anomalien. Diese entstehen, wenn ihr geliehene Ressourcen aus der Zukunft nicht zurückzahlt. Jede Anomalie bringt Minuspunkte und blockiert zusätzlich Platz auf eurem Tableau. Wer hier zu oft pennt, zahlt am Ende deutlich drauf und wird definitiv nicht gewinnen.
Unterm Strich gewinnt meist nicht der Spieler mit der einen starken Strategie, sondern der, der alles gut miteinander kombiniert: solide Gebäude, rechtzeitige Evakuierung, sinnvoll eingesetzte Zeitreisen – und möglichst wenige Fehle.


Fazit für Anachrony
Anachrony! Lohnt es sich? Ja klar. Auf jeden Fall – wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen.
Anachrony verlangt Aufmerksamkeit, Planung und ein gewisses Maß an Geduld. Es ist kein Spiel, das man nebenbei spielt. Aber genau das macht es so besonders. Jede Partie bringt euch weiter, weil man das Spiel im Laufe der Zeit entdecken kann. Wie es funktioniert! Wie man optimiert! Wie man gewinnen kann, gegen Gegner und die Zeit! Dieses Expertenspiel hat es in sich.
Wer komplexe Spiele mag, wird hier nicht nur gefordert, sondern auch angetrieben und belohnt. Ein wirklich tolles Brettspiel, aber nicht für Jedermann!
Vorteile
- Einzigartiges Zeitreise-Element mit echten Konsequenzen
- Tiefgehende, verzahnte Mechaniken
- Starkes Thema
- Viele Strategien und hoher Wiederspielreiz
- Hochwertiges, beeindruckendes Spielmaterial (vor allem mit den Großminiaturen der Erweiterung!)
Nachteile
- Hoher Einstieg, nichts für Gelegenheitsspieler
- Erklärzeit (wir brauchten knapp 2 Stunden!) und erste Partien können fordernd sein
- Kann bei Vielgrüblern ins Stocken geraten, Dann kann man einen Timer nutzen!
- Fehler wirken sich oft stark aus
Tipp vom Kultisten Fabbi:
Anachrony ist ein guter Brocken. Ein paar Dinge merkt man oft erst nach mehreren Partien – und genau die machen den Unterschied:
Versuche nicht, alles zu machen. Anachrony bietet viele Möglichkeiten, aber wer sich verzettelt, verliert schnell den Überblick. Es ist besser, sich auf eine Richtung zu konzentrieren und diese sauber durchzuziehen.
Plane deine Exosuits frühzeitig. Es klingt banal, aber ohne sie stehst du schlicht still. Und Stillstand kannst du dir hier nicht leisten. Besonders wervoll sind Gebäude, die dir Energiekerne bringen und Wasser!
Zeitreisen sind mächtig – aber sie sind kein Geschenk. Nutze sie bewusst und nur dann, wenn du schon weißt, wie du die Ressourcen später zurückzahlen willst.
Und ganz wichtig: Behalte das Ende im Blick. Die Evakuierung kommt schneller, als man denkt. Wer zu lange optimiert, steht am Ende vielleicht mit tollen Gebäuden da – aber ohne Punkte. 30 Minuten Spielzeit pro Person sind bei uns niemals erreichbar. Es dauert sicher 45-60 Minuten pro Person. Also...früh starten und gewinnen!

1–4
SPIELER
61
BGG-Ranking
4.0/5
KOMPLEXITÄT
Diese Kultisten haben Anachrony gespielt:
Fabbi

Liebt das Zeitreisen
Michael

Hat die Superprojekte im Auge.
Bernhard

Nope






