
Viticulture
In dieser Rezension erfährst du, ob sich das Expertenspiel Viticulture für dich lohnt. Wir schauen uns an, wie schwer das Spiel ist und zeigen dir Vorteile und Nachteile des Spiels auf. Am Ende kannst du sogar noch von unseren Tipps profitieren. Viel Spaß dabei.
Altersempfehlung: Ab 13 Jahren
Spieldauer: 45 - 90 Minuten
Personenanzahl: 1–6 Spieler
Illustratorin / Illustrator: Jacqui Davis
Autorin / Autor: Jamey Stegmaier, Alan Stone
Verlag: Stonemaier Games

Wein machen ist jetzt unser Bier!
Viticulture im Test
Vorweg möchte ich ein ganz fettes "Scusi" schicken. Und zwar an mich selbst. Dafür, dass ich so lange mit dem Spielen von Viticulture gewartet habe. Ein Thema, was bei nicht von vornherein kitzelte. Ein Cover, dass mir kein abendliches Highlight versprach. Hängt mich am übernächsten Rebstock auf, wenn ich wieder so lange darauf warte, dieses großartige Spiel auf den Tisch zu bringen. Denn Viticulture strafte mich meiner Vorbehalte Lügen.
Leichter Einstieg – dichte Thematik
Viticulture holt den eigenen Weinberg auf den Spieletisch.
Na klar, Viticulture ist keine Neuerscheinung und im Jahr 2026 sicherlich kein optischer Mindblower. Aber es zaubert uns das Gefühl der Toskana auf den Tisch. Und es dauerte bei unserer ersten Partie tatsächlich nur wenige Minuten, bis sich bei allen von uns innerlich die mediterrane Sonne breit machte und wir uns voll und ganz mit unserer Aufgabe als Winzer identifizieren konnten.
Ja, alles, was wir bei Viticulture tun, macht Sinn. Wir bauen Spaliere und Bewässerungen, ohne die bestimmte Rebsorten gar nicht angepflanzt werden könnten. Wir bilden weitere Weingutarbeiter aus, ernten, pressen, keltern und lassen Traubenmost und Wein reifen. Das greift alles so selbstverständlich ineinander, dass sich schon im zweiten Jahr (Wir spielen nicht in Runden, sondern in Jahren) ein harmonischer, downtimefreier Spielrythmus entwickelt.

Spielablauf und Mechaniken bei Viticulture
Genau – wir spielen also in Jahren, was eine elegante Lösung für die Rundenphasen darstellt und, wie alles bei Viticulture, thematisch logisch ist.
Im Frühling entscheiden wir, zu welcher Uhrzeit wir aufstehen und setzen unseren Hahn auf das ensprechende Feld. Je früher wir aufstehen, desto eher sind wir dran. Je später wir aufstehen, desto mächtiger ist der Bonus.
Dann kommt der Sommer, in dem wir die linke Seite des Spielfeldes nutzen können. Hier bietet es sich an, Gebäude auf unserem toskanischen Hof auszubauen, eine Tour anzubieten oder Wein anzubauen, um nur einige Optionen zu nennen.
Im Herbst ziehen wir eine bzw. mehrere Karten nach, die Besucher symbolosieren. Diese erlauben uns beim ausspielen teils mächtige oder sehr nützliche Aktionen. Wir fühlten uns bei der Art und Weise der Karten oft an Scythe erinnert, das mit Jamey Stegmaier den selben Autor hat.
Im Winter geht's dann ans Einmachen und Eingemachte. Wir dürfen unsere Arbeiter nun auf der rechten Seite des Spielfelds einsetzen – sofern nicht alle von der Arbeit im Sommer zu schlapp sind. In dieser Jahreszeit können wir Weinberge abernten, Wein herstellen oder Aufträge erfüllen (die wir vorher allerdings noch ziehen müssen).


Kräfte einteilen und langfristig planen
Genauso, wie ein guter Wein nicht über Nacht entsteht, gewinnen wir Viticulture nicht in der ersten Runde. Wir müssen unser Weingut erst mal so richtig zum Laufen kriegen und die Voraussetzungen schaffen, um im späteren Verlauf hochwertige Weine herzustellen und zu verkaufen. Was wichtig ist, war mir am Anfang nicht ganz klar – allerdings hatte ich auch ziemlich lange Zeit keine Auftragskarten. Denn erst durch sie wird deutlich, worauf ich mit meinem Weingut hinarbeiten sollte.
25 Siegpunkte – dann ist Schluss bei Viticulture
Viticulture fühlt sich an, als würde das Spiel nie enden. Am Anfang. Denn, wenn alles so richtig läuft, kann das Spiel recht schnell vorbei sein. Nach dem Jahr, in dem ein Spieler 25 Punkte erreicht, ist Schluss. Was wir anfangs mühselig aufbauen mussten und kaum Ertrag abwarf, zündet nach ein paar Jahren so richtig durch. Und wenn irgendjemand in seinem Winterzug zwei Aufträge werten kann, kommen recht schnell über zehn Punkte zusammen. Nach dem Erreichen der 25 punkte Marke spielen wir das Jahr noch zu Ende aber dann ist finito und der erfolgreichste Winzer, erntet statt weißen und roten Wein wohlverdient auch Ruhm und Ehre.

Gut gereifter Mechanik-Mix
Viticulture verbindet Worker Placement mit Kartenmanagement und Tableaubuilding. Neben den Aktionen, die wir auf dem gemeinsamen Spielplan durch unsere Arbeiter auslösen, können wir auch verschiedene Gebäude bauen und ausbauen, um Voraussetzungen für hochwertige Reben oder Weine zu schaffen oder um verschiedene Aktionen zu empowern. Das gibt uns das Gefühl tatsächlich unser ganz persönliches Weingut zu entwickeln. Durch die Varianz an Sommer- (gelb) und Winterbesucher (blau), die verschiedenen Weinsorten (grün) und die Auftragskarten (lila) entsteht der Nährboden für diverse spannende Strategien, bei denen ich es kaum erwarten kann sie auszuprobieren.

Pro Viticulture:
- tolle thematische Dichte
- wunderbar verzahnter Mechanik-Mix
- Spielzeit ist moderat und variabel (Wettrennen)
- schöne Holzmeeple/Material und idyllischer Spielplan
- zwei Arten von Arbeitern, um auf Gegenspieler-Aktionen reagieren zu können
Contra Viticulture:
- ohne die Erweiterung sind Punkte/Strategien stark durch Aufträge vorgezeichnet
- manche Gebäude sind nicht so stark oder nötig, wie andere
Fazit für Viticulture
Es ist Liebe! Obwohl ich die Erstpartie nicht gewinnen konnte, kann ich nur Gutes über dieses Expertenspiel sagen. Es löst bei mir eine ähnliche Begeisterung aus, wie nach meiner Erstpartie Scythe damals. Dieses Spiel werde ich demnächst öfter frequentieren, als den Weinhändler meines Vertrauens und freu mich beim Schreiben dieser Worte bereits auf die nächste Partie.
Tipp vom Kultisten Michael:
Das Schöne bei Viticulture ist aus meiner Sicht… es kommt fast gänzlich ohne Tipps aus. Weil es alles logisch ist und genauso funktioniert, wie wir es uns als designierte Winzer vorstellen. Vielleicht nur zwei Sachen, die euch bewusst sein müssen.
a) Versucht früh bereits Auftragskarten zu haben, auf die ihr hinarbeitet. Das gibt gerade in der Erstpartie enorme Orientierung. Am Ende geht es umn das Endprodukt und das ist nun mal Roter, Weißer, Rosé oder Sekt in den jeweiligen Qualitätsstufen.
b) Wenn ihr die Windmühle baut, baut sie früh, damit sich das Gebäüude lohnt. Es gibt euch in jedem Jahr maximal einen Siegpunkt, sofern ihr eine Rebe anpflanzt.
Und jetzt: Holt euch das Ding und werdet zu aufstrebenden Winzern!


Die Kultistenwertung für Viticulture:
Viticulture ist wahrlich ein Château Cheval Blanc in der Brettspielwelt. Dieses Kennerspiel zergeht förmlich auf der Zunge und verlangt danach, nachzuschenken. Viticulture kratzt an der Kultstatus-Top-Punktzahl.

1–6
SPIELER
44
BGG-RANKING
2.9/5
KOMPLEXITÄT
Diese Kultisten haben Viticulture gespielt:
Fabbi

Spricht, spielt und sieht aus, wie ein echter Fabrizio del Suffiziano.
Michael

Weiß guten Wein und gute Siegchancen zu schätzen.
Bernhard

Spielt am liebsten mit der roséroten Brille.



